Zeitalter der Globalisierung

Interkulturelle Kommunikationsprobleme im Berufsleben

Im Zeitalter der Globalisierung haben immer mehr Berufstätige mit Menschen aus einem anderen Kulturkreis zu tun. Dies können entweder Kunden oder Lieferanten, doch auch Kollegen sein. Es ist auch noch nicht einmal notwendig, selbst ins Ausland zu gehen, um in eine Situation zu geraten, in der Missverständnisse und Probleme entstehen können, die im schlimmsten Fall eine Zusammenarbeit unmöglich machen oder eine Geschäftsbeziehung scheitern lassen.

Nichts ist wirklich selbstverständlich

Manche Probleme entstehen, weil jeder Angehörige einer Kultur seine Werte und Verhaltensweisen erst einmal für allgemeingültig hält. Diese Einschätzung wird dadurch unterstützt, dass sich die Menschen um ihn herum genauso verhalten und die gleichen Werte teilen. Verhält sich ein Geschäftspartner oder Kollege aus einem anderen Land anders, entspricht das nicht unseren Erwartungen und führt zu Irritationen. Arbeitszeiten, Dokumentenmanagement, Arbeitsweisen und Arbeitszeiten sind überall auf der Welt verschieden. So ist beispielsweise Pünktlichkeit in Deutschland sehr wichtig. Es ist üblich, nicht zu spät zu einem Termin zu erscheinen oder zumindest rechtzeitig Bescheid zu geben, wenn man nicht zur vereinbarten Zeit da sein kann. In anderen Ländern herrschen andere Toleranzgrenzen und längere Wartezeiten werden als vollkommen akzeptabel angesehen. Oft gibt es auch Erklärungen dafür, warum sich diese Einstellung entwickelt hat. In Indien macht es beispielsweise die vielerorts noch immer schlechte Infrastruktur nahezu unmöglich, pünktlich zu einem Termin zu erscheinen.

Sprachliche Verständigungsprobleme Mangelnde Fremdsprachenkenntnisse sind immer eine Fehlerquelle. Doch gerade im Kontakt mit Angehörigen anderer Kulturen gilt, dass je besser die eigenen Fremdsprachenkenntnisse sind, auch die Erwartungshaltung der anderen an uns entsprechend steigt. Wenn jemand eine Fremdsprache nahezu fließend spricht, wird ein ungeschickt gewähltes Wort oft weniger als ein Vokabelproblem angesehen, sondern vielleicht eher als beabsichtigte Kränkung. Dabei ist es egal, ob man Geschäftspartner vis-à-vis sieht oder nur per Telefonkonferenz spricht. Doch oft bezieht sich diese Erwartungshaltung nicht nur auf die Sprache, sondern es wird auch dieselbe Parkettsicherheit vom Anderen in Bezug auf die Gepflogenheiten in der eigenen Kultur erwartet. Dies kann auch auf Geschäftspartner zutreffen, die sich vielleicht beide in einer Sprache verständigen, die nicht ihre Muttersprache ist. Englisch als weltweit beliebte Sprache im geschäftlichen Umgang ist da ein gutes Beispiel.

Direkt oder unhöflich?


Ein weiteres Problem sind unterschiedliche Sprachstile, die aus Unkenntnis einfach in der Fremdsprache übernommen werden. So sind Deutsche beispielsweise in ihrer Kommunikation sehr direkt und sagen ganz genau, was sie bis wann von wem und in welcher Weise erledigt haben wollen. Diese sehr eindeutige Art der Kommunikation wird von vielen Angehörigen anderer Kulturen bereits als sehr unhöflicher "Kommandoton" empfunden.
Ebenso eindeutig wird ein klares "Nein" ausgesprochen, wenn etwas nicht infrage kommt oder fristgerecht erledigt werden kann. Diese Kommunikationsweise wird von Deutschen als aufrichtig und ehrlich empfunden, doch von Angehörigen anderer Kulturen teilweise als verletzend angesehen. So ist es in einigen asiatischen Kulturen unüblich, den Geschäftspartner mit einem "Nein" zu brüskieren oder ihm einen Wunsch direkt
abzuschlagen. Stattdessen wird eher geschwiegen, eine ausweichende Antwort gegeben oder die endgültige Entscheidung hinausgeschoben. Deutsche werten dies dann eher als Unehrlichkeit oder Hinhaltetaktik.

Räumliche Nähe vermeidet keine Missverständnisse


Oft unterliegen wir der falschen Annahme, dass die Unterschiede zu unseren europäischen Nachbarn in dieser Hinsicht nicht so groß sind. Doch schon die Kommunikation zwischen Deutschen und ihren britischen Geschäftspartnern kann aus den oben genannten Gründen zu Missverständnissen führen. Während die Briten Deutsche aufgrund ihres sehr direkten Sprachstils für unhöflich halten, verstehen Deutsche Anweisungen von Briten teilweise nur als Handlungsvorschlag, der ausgeführt werden kann, aber nicht ausgeführt werden muss. Dies liegt daran, dass Briten aus Höflichkeit ihrem Gegenüber das Gefühl geben, dass er eine Wahl hat, auch wenn es faktisch nicht der Fall ist.

Wenn Probleme mit Geschäftspartnern oder Kollegen aus einem anderen Kulturkreis auftreten, sollte man versuchen, diese nicht nach den eigenen Werten zu interpretieren, sondern die Ursachen dafür zu verstehen. Die Werte der eigenen Kultur nicht für die einzig richtigen zu halten, ist bereits ein guter Ansatz.

Kommentare (0)
Kommentar schreiben
Ihre Kontaktdetails:
Kommentare:
Security
Bitte geben Sie den Anti-Spam-Code aus diesem Bild ein.
 
kostenlosen Newsletter
Verpassen Sie keine Infos! Benachrichtigung neuer Infos Empfange HTML?